Am 24. Juli 2012 findet ein bedeutungsschwerer Test der Brandschutzanlage des Flughafens Berlin Brandenburg BER statt. Vom Ausgang dieses Tests erwarten sich alle Beteiligten Aufschluss über die Validität des nächstgeplanten Eröffnungstermins am 17. März 2013. Auf der einen Seite – ein Flughafenchef! Vorstandsvorsitzender einer GmbH, die zu je 37% dem Land Brandenburg und Berlin und zu 26% der Bundesrepublik Deutschland gehört. Er verantwortet in seiner Position den Bau und die Inbetriebnahme eines ultramodernen Flughafens, der nach Verkehrsaufkommen der Drittgrößte in der Bundesrepublik ist – sein wird, wenn er denn endlich mal in Betrieb gehen würde. Vor der Inbetriebnahme stehen aber bisher erst einmal zwei Verschiebungen des Eröffnungstermins, wovon der letzte trotz besseren Wissens erst wenige Wochen vorher bekannt gegeben wird. Kommunizierte (Haupt-) Ursache: Das Brandschutzsystem ist nicht funktionstüchtig! Um mit aller Macht die Missstände zu vertuschen, wird der zuständigen Genehmigungsbehörde eine sogenannte Mensch-Maschine-Lösung vorgelegt. Mit niederschmetterndem Ergebnis – die Genehmigungsbehörde lehnt die Lösung als unverantwortbar ab. Damit die hochkomplexe Brandschutzanlage ihre Funktion ausüben kann, müssen ca. 16.000 Brandmelder, 50.000 Sprinklerköpfe, 3.400 Brandschutzklappen und -türen und 81 Entrauchungsventilatoren präzise auf das an einer Ecke des Terminals ausbrechende Feuer reagieren. Sonst werden andere Teile des Gebäudes verraucht, implodieren Abluftkanäle. Die „Mensch-Maschine-Lösung“ setzt sich aus den o.g. Komponenten und 700 Helfern zusammen. Es macht einen fassungslos, dass überhaupt solch eine Lösung ins Auge gefasst wird. Im Notfall sollen also 700 Menschen koordiniert werden, im richtigen Moment das Richtige tun. Sollen wie Brandschutzklappen, Brandmelder und Sprinklerköpfe dem Feuer und Rauch entspannt und gelassen entgegensehen - und standhalten. Fragt sich nur, wie diese 700 Personen sinnvoll und exakt koordiniert werden sollten – per Funk, Mobiltelefon, Lautsprecheranlage oder auf Zuruf? Und wer sollte dies tun, ohne kopflos zu werden, angesichts in Panik geratener Fluggäste, die lautschreiend durch die Gegend irren? Und mit dieser „Mensch-Maschinen-Lösung“ wollten die Verantwortlichen einen der modernsten Flughäfen betreiben? Solch eine Lösung vorzustellen, ohne vor Scham im Boden zu versinken, bedarf schon einer gehörigen Portion Abgebrühtheit. Auf der anderen Seite – der Bundesminister für Verkehr. Als Vertreter der Bundesregierung, des Deutschen Volkes, des Wählers und Steuerzahlers – des Finanziers und Eigentümer des neuen Flughafens BER. Aus den Erfahrungen mit dem Management des Flughafens, speziell mit dem Flughafenchef, der den Verwaltungsrat als Vertreter der Eigentümer über die tatsächliche Brandschutzsituation im Unklaren lässt, bis unmittelbar vor dem geplanten Eröffnungstermin, hat der Bundesverkehrsminister eine „SOKO BER“ zwecks Beurteilung der weiteren Baufortschritte des BER ins Leben gerufen. Aus den Erfahrungen, immer nur positive Meldungen zu erhalten, die die drängenden Probleme verschleierten, hatte der Minister als Vertretung die „SOKO BER“ zur Begleitung des Brandschutztests beim BER angemeldet. Und was passiert? - Der Flughafenchef lädt einfach einen seiner Verwaltungsräte und Eigentümer kurzerhand wieder aus! Die Reaktion - der Minister zeigt sich „erbost“. Er weist den Flughafenchef nicht zurecht, er nimmt ihn sich nicht zur Brust, stellt kein Ultimatum oder erzwingt sich den Zugang – nein, er kritisiert die mangelnde Transparenz. Gut, dass wir darüber geredet haben! Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund, ein Verwaltungsrat wird düpiert. Der Minister wird wie ein kleiner Junge abgewiesen, findet keinen Weg, sich gegen einen hochbezahlten „Angestellten“ durchzusetzen. Und da soll sich der Bürger kraftvoll und adäquat vertreten fühlen? Ist das die politische Realität? Wird der Souverän - vertreten durch höchstrangige Politiker - von Flughafenchef Schwarz und dessen Flughafensprecher Kunkel am Nasenring herumgeführt? Der geplante Kostenrahmen des BER wird schon jetzt weit überschritten, die Schallschutzmaßnahmen bleiben bisher weit hinter den gesetzlichen Bestimmungen zurück. Die Auswirkungen der Flugrouten infolge des unabhängigen Parallelflugbetriebes, über die die Bevölkerung jahrelang getäuscht wurde, sind ein Skandal. Die Bürger und Steuerzahler von Stadt, Land und Bund sind Eigentümer des Flughafens; sie werden für die noch nicht absehbaren Kostensteigerungen herangezogen und sie werden im Falle, dass der Flughafen sich selbst nicht wirtschaftlich trägt (worauf alles hindeutet), einspringen müssen. Durch wen werden ihre Interessen vertreten, wenn die Politik nicht in der Lage ist, sich gegen die haltlosen Machenschaften der Flughafengeschäftsleitung durchzusetzen? Zurück bleibt nur Fassungslosigkeit! Berlin, den 27.Juli 2012 Bernd Röstel Mitglied des Sprecherates

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